„Weltarchiv pianistischer Kunst“ nennt Hupfeld seinen 1921 erschienenen Animatic Generalkatalog für Notenrollen. Zusammengenommen mit den vielen weiteren Notenrollenrepertoires der anderen namhaften Hersteller sind die Notenrollen -die gezeichneten ebenso wie die historisch besonders interessanten aufgezeichneten Notenrollen- aus dieser Zeit sicher als einer der größten Kultur-Schätze der Klaviermusik zu bezeichnen. Auf dieser Seite soll es darum gehen, einen Überblick über die verschiedenen Typen der Notenrollen zu erlangen und deren unterschiedliche Philosophien, Bauformen, Einsatzgebiete, Qualitäten etc. zu verstehen.

 

Das Notenrollenrepertoire war als eines der wesentlichen Alleinstellungsmerkmale der verschiedenen Anbieter von selbstspielenden Klavieren und Flügeln von besonderer Bedeutung. Daher waren alle Hersteller bemüht, ein möglichst attraktives Repertoire anbieten zu können. Dies betraf sowohl den Umfang des Repertoires als auch dessen Aktualität sowie dessen künstlerischer Wert. In der Hochphase kamen monatliche Katalognachträge heraus, die die neuesten Titel vorstellten und damit den Zeitgeschmack trafen.

 

Mit der Einführung der aufgezeichneten Notenrollen durch M. Welte & Söhne 1904 sowie der Veröffentlichung der Künstlernotenrollen ab 1906 durch Hupfeld, warben auch andere Hersteller immer häufiger mit "Künstlernotenrollen", die teilweise durch schon damals völlig unbekannte Pianisten eingespielt wurden. In dem Buch "Im Aufnahmesalon Hupfeld" wird eine Gesamtzahl von produzierten Künstlernotenrollen von ca. 18.000 genannt - darunter etwas 4.500 von Welte und 2.500 von Hupfeld.

 

In der Einleitung des 1921 erschienenen Hupfeld Animatic Generalkataloges für Notenrollen heißt es "Der Rollenschatz, schon im Hinblick auf die aufgewandten Honorare materiell sehr wertvoll, stellt auch in kultureller Hinsicht eine Schöpfung von hohem Wert dar [...], dazu berufen, das Spiel unserer ersten Pianisten der Nachwelt zu überliefern und dadurch unsterblich zu machen. […] Ein Werk wie das vorliegende, das Aufschluss über das größte Künstlerrollen-Repertoir der Welt gibt, und eine Übersicht über fast die gesamte Klavierliteratur aller Kulturländer bietet, [...]". Schon damals entstand dann ein reger An- und Verkauf von Notenrollen für die verschiedenen Systeme.

 

Um einen Eindruck für den Umfang der Kataloge zu erhalten, hier einige Seitenangaben. Natürlich war die Gestaltung der Kataloge und die Sortierung der Titel unterschiedlich, so dass sich aus dem Seitenumfang nicht automatisch die Anzahl der Titel ableiten lässt.

Aeolian Katalog 1910 für 65 Notenrollen: 482 Seiten
Hupfeld Generalkatalog 1913: 693 Seiten
Hupfeld Animatic Katalog 1921: 440 Seiten
Ampico Katalog 1925: 350 Seiten
Welte Katalog 1925: 230 Seiten

 

Die Anbieter von Reproduktionsnotenrollen versuchten durch exklusive Verträge mit den großen Pianisten und Komponisten die Attraktivität des eigenen Repertoires zu erhöhen. Besonders eindrucksvoll zeigte sich dieser Effekt bei der American Piano Cooperation, der es nach anfänglichen Schwierigkeiten durch den späten Markteinstieg gelang, Sergej Rachmaninoff exklusiv unter Vertrag zu nehmen. Dies erhöhte deutlich das Interesse an diesem System und zog weitere berühmte Pianisten an. Um 1920 erreichte die Ampico Notenrollenproduktion den Höhepunkt mit 4000 Rollen pro Tag!

 

Die Aeolian Company New York hat die Verpflichtung berühmter Künstler in den 1920iger Jahren u.a. durch die Kooperation mit Steinway & Sons als auch durch besonders hohe Honorare erreicht und damit Künstler zu der schriftlichen Aussage bewogen "exklusiv" für DuoArt Aufnahmen zu machen. Josef Hofmann soll zum Beispiel 1000$ je eingespielter Notenrolle erhalten haben, was zur damaligen Zeit ein kleines Vermögen war. Auch bei Welte sollen die Pianisten sehr stattliche Honorare für die Aufnahmeseitzungen erhalten haben.

 

Da Hupfeld ab 1906 Aufnahmen mit einigen Künstlern wie Edvard Grieg und Alfred Reisenauer machte, die bei der Aufnahme bereits im hohen Alter waren und bald verstarben, wurden von anderen Herstellern wie Aeolian oder Ampico diese Aufnahmen gegen Lizenzgebühren übernommen - und wie im Beispiel rechts zu sehen, in deren Katalogen gesondert gekennzeichnet.

 

QRS hat noch bis Anfang 2000 noch neue Notenrollen vorwiegend im 88er Standard Format produziert (~600.000Stk. pro Jahr in 1980), so dass auch aktuelle Titel für die Pianolas verfügbar sind. Auch aktuell bietet QRS noch Notenrollen aus Beständen an – auf deren Internetseite können diese Rollen bestellt werden. Ein sehr interessantes Video zur Herstellung der Notenrollen bei QRS ist in YouTube zu sehen

 

Notenrollenpreise

Die Preise der Notenrollen orientierten sich oft ausschließlich an der Länge des Notenrollenpapiers der speziellen Rolle - nicht an deren künstlerischem Wert oder den Produktionskosten. Eine Notenrolle mit ca. 8 Minuten Spielzeit kostete ca. 12Mark - doppelt soviel wie eine Schellackplatte gleicher Spiellänge. Die Künstlernotenrollen waren deutlich kostspieliger. Welte Rollen kosteten 1905 zwischen 6Mark und 50Mark. 1922 als die Inflation deutlich um sich griff, kosteten die Hupfeld Animatic Rollen zwischen 450Mark und 900Mark.

 

Heute sind Notenrollen auf dem Gebrauchtmarkt zu erwerben, die bei guter Behandlung und Lagerung auch nach 100Jahren noch spielbar sind. Es gibt auch einzelne Anbieter, die nach alten Originalen neu gestanzte Notenrollen anbieten. Diese neue Notenrollen aus modernem Papier laufen sehr gut. Auch zum Schutz der teilweise sehr wertvollen Originale zum Beispiel bei den Reproduktionssystemen Welte oder Hupfeld u.a., empfiehlt sich der Einsatz neu gestanzter Rollen

 

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