Skala eines Pianolas

Die unterschiedlichen Skala Systeme im Überblick

Die Skala eines Pianolas bezeichnet die Struktur bzw. den Umfang des am Notengleitblock über Löcher verfügbaren Ton- und Steuerungsspektrums. Die meisten Klaviere bis ~1945 hatten 85 Tasten/Töne, bei Flügeln und Konzertklavieren oft 88 Tasten/Töne. Anfangs wurde nur ein Teil der auf dem Klavier verfügbaren Töne angesprochen. Zu den wichtigsten Skalen bei Pianolas gehören die

 

65er Skala (Aeolian, ab ~1897)

72er Skala (Hupfeld, ab ~1902)

88erSkala (Standard, ab ~1908)

Dieser Aspekt des größeren Tonumfanges zur Wiedergabe der Musikstücke im originalen Notensatz wurde von den Firmen –hier ein Beispiel von Hupfeld- als bedeutendes Differenzierungsmerkmal herausgestellt.

 

Bei Reproduktionsinstrumenten wurde ebenfalls mit dem Tonumfang Differenzierung versucht (Philipps Duca mit genau nur einem Ton mehr als Welte) – so dass auch hier unterschiedliche Skalen eingeführt und lange beibehalten wurden.

Auszug aus dem Music Trade Review(MTR) 1908

Eine vielzitierte Analyse von Chase & Baker aus 1908 anhand der 3838 Notenrollen in deren Katalog zeigte, dass mit der Skala von 65 Tönen durchaus signifikant weniger Musikstücke 1:1 vom Notenblatt in Rollen umgesetzt werden konnten. Von den 3838 Notenrollen konnten 1130 (29%) mit 65er Skala gespielt werden. 2425 (63%) Notenrollen benötigen einen Tonumfang von 78 Tönen, 2542 (66%) benötigten 80 Töne, 2660 (69%) benötigten 83 Töne, 3676 (96%) benötigten 85 Töne und alle Rollen konnten natürlich mit dem Tonumfang von 88Tönen gespielt werden. Um Musikstücke auf der 65er Skala abbilden zu können, wurden Reduzierungen und Oktavversetzungen vorgenommen, um innerhalb der 65Töne zu bleiben. Diese Chase & Baker Analyse beeinflusste nachvollziehbar die Entscheidung für die eine 65er Standard und eine 88er Standardskala. Wenngleich diese Standardisierung in Amerika und nur von den führenden amerikanischen Firmen bestimmt wurde, folgten auch die Europäischen Hersteller nach und nach vor allem dem als modern geltenden 88er Standard.

 

65er Skala von Aeolian

Patentveröffentlichung von Aeolian in Deutschland

Die 65er Skala wurde von Aeolian bereits ab 1897 in Amerika mit der Pianola als Vorsetzer vermarktet und kam noch vor der Hupfeld Phonola auch auf den deutschen Markt. Der Vorsprung des Marktersten Aeolian konnte jedoch wirtschaftlich zumindest in dem stark von deutschen Firmen dominierten Markt Deutschland nicht durchgehalten werden. Grund dafür war auch, dass der Pianola Vorsetzer in Deutschland mit 1250 Reichsmark deutlich mehr als die Phonola (850Reichsmark) kostete und mit nur 65 Tönen einen kleineren Tonumfang hatte. Wie beschrieben hat sich jedoch der Produktname „Pianola“ stellvertretend für diese Selbstspielsysteme durchgesetzt.

Die Skala des 65er Aeolian Systems hat Anfangs nur die 65 Töne umfasst.

 

Notengleitblock mit 65er Skala von Aeolian, ab ~1897

Erst nach Hupfeld führt Aeolian das Themodist ein, d.h. die automatische Betonung der Melodietöne. Da die Papierbreite der 65er Notenrolle bereits reichlich ausgenutzt war, konnten nur noch kleine Doppelstanzungen (Spitzname: Schlangenbiss) an den äußersten Rändern für die Melodiebetonung im Bass und Diskant eingesetzt werden.

Notengleitblock mit 65er Skala und Themodist von Aeolian, ab ~1908

Die Belegung der 67 Löcher in dieser Skala ist:

Loch 1: Themodist Bass
Loch 2-66: 65 Töne von A1 bis cis4
Loch 67: Themodist Diskant

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72er Skala von Hupfeld

Werbung für die neue Hupfeld Phonola

Die 72er Skala wurde ~1902 von Hupfeld auf den Markt gebracht, um mit größerem Tonumfang und geteilter Windlade (separate Dynamik von Bass und Diskant) im Vergleich zum Hauptkonkurrenten Aeolian aufwarten zu können. In der Werbung spricht Hupfeld bewusst immer nur von 72 Tönen - obwohl viele Phonola Instrumente 73 Töne spielten. Die Skala reichte von F1-f3 - jedoch standardmäßig ohne FIS1. Dieser Ton lag sozusagen als Zusatz auf Loch 39 (statt auf Loch 2) des Notengleitblocks. Hintergrund ist, das Hupfeld die verbleibenden max. 5 Löcher (es sind 77 Löcher im Notengleitblock) für die Phonola verwandten Instrumente (vor allem Phonoliszt, aber auch Clavitist/Universal etc.) freihalten wollte, um Steuerfunktionen dort abzubilden. Ab 1907 ist die Phonola auch in Klaviere eingebaut zu kaufen.

 

An der Phonola wurden häufig auch die Notenleisten oberhalb des Notengleitblockes angebracht, so dass man die Zuordnung zu den Löchern nachvollziehen konnte.

Notengleitblock mit 73er Skala von Hupfeld, ab~1902

1908 bringt Hupfeld mit der Solodant Funktion, d.h. der betonten Melodieführung, eine wesentliche Neuerung auf den Markt. Herstellerspezifisch ist die Anordnung dieser Betonungslochungen bei Hupfeld in der Rollenmitte (bei Aeolian am Rand, s.o.).

Die Belegung der Löcher in dieser Hupfeld 72er Skala ist:

Loch 1-34, 36, 38-40, 41-77: 73 Töne von F1 bis f4 (ohne FIS1)
Loch 35, 41: ohne Belegung
Loch 37: Solodant Bass
Loch 39: ohne Belegung oder FIS1
Loch 43: Solodant Diskant

Hupfeld hat 1908 offensiv den Kundenbestand des Mitkonkurrenten Aeolian adressiert mit der Möglichkeit auf der 72er Phonola mittels umschaltbarer Skala auch die 65er Notenrollen spielen zu können. Das Kalkül wurde in der Zeitschrift für Instrumentenbau klar benannt – siehe nebenstehenden Artikel aus 1908. Solch ein Vorsetzer befindet sich in meiner Sammlung.

 
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Die 88er Standard Skala

Die 88er Standard- oder Normskala wurde auf einem Kongress 1908 in Buffalo/USA festgelegt. Nach und nach bauten ab 1910 dann die meisten Hersteller die 88er Skala. Und dies, obwohl es nur sehr wenige Musikstücke gibt, die die 88 Tasten eines Klaviers ausnutzen - und auch nach 1910 noch sehr viele Klaviere und Flügel nur 85 Tasten hatten. Hupfeld hat –wie viele andere auch – in der Übergangszeit Systeme mit zwei Notenrollenskalen angeboten – nebenstehend ein Beispiel für die Kombination 88er Standard mit 72er Skala.

 

Die meisten 88er Pianolas haben dann auch schon auf den Notenrollen die Steuerungsinformation für die automatische Melodiebetonung (Solodant, Melodant, Themodist, etc.) und viele auch die automatische Bedienung des rechten Forte-Pedals. Damit sind zusätzlich zu den 88 Löchern für die Töne noch drei weitere Lochungen vorgesehen. Hier ein Beispiel eines Aeolian Pianola Pianos

Die Belegung der Löcher (von links gezählt) in dieser Aeolian Standard 88er Skala ist:

Loch 1-2 sowie 94-95 (jeweils übereinander liegend): Spurkontrolle
Loch 3: Forte Pedal (rechts Pedal)
Loch 4: Themodist (Melodiebetonung) Bass
Loch 5-92: 88 Töne von A1 bis c5
Loch 93: Themodist Diskant

Später hat Aeolian die Spurkontrolle anders gelöst – anbei ein Bild des Notengleitblockes eines Ibachiolas aus 1924 auf dem die beweglichen Bügel zu sehen sind, deren Verschiebung bei Verlaufen der Notenrolle die Spurkontrolle aktiviert.

Ähnlich sah dies bei Hupfeld aus – auch hier ein Beispiel einer 88er Skala bei einem Hupfeld Phonola Klavier aus 1926.

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Die Welte rot T100 Skala

M. Welte & Söhne hat mit einer so genannten T100 Skala für das Welte rot Reproduktionssystem gearbeitet. T100 bezieht sich dabei auf die 100 Löcher, die der Notengleitblock hat. Es werden 80 Töne gespielt, 20 Lochungen werden für die komplexe Betonungssteuerung verwendet. „Rot“ bzw. „grün“ leitete sich aus der charakteristischen Farbe des Notenrollenpapiers ab – dieses war bei den T100 Rollen meistens rot – und bei den T98 Rollen meistens grün. Jedoch sind auch Rollen des jeweils anderen Formats in andere Papierfarben hergestellt worden (siehe Kategorie Notenrollen).

 

Loch 1: Bass Mezzoforte aus
Loch2: Bass Mezzoforte ein
Loch 3: Bass Crescendo piano
Loch 4: Bass Crescendo forte
Loch 5: Bass Sforzando Piano
Loch 6: Bass Sforzando Forte
Loch 7: Pianopedal (linkes Pedal) aus
Loch 8: Pianopedal (linkes Pedal) ein
Loch 9: Widerstand groß (weniger Saugluftversorgung)
Loch 10: Widerstand klein (mehr Saugluftversorgung)
Loch 11–90: 80 Töne von C1 bis g4
Loch 91: Rücklauf
Loch 92: ohne Belegung
Loch 93: Fortepedal (rechtes Pedal) ein
Loch 94: Fortepedal (rechtes Pedal) aus
Loch 95: Diskant Sforzando Forte
Loch 96: Diskant Sforzando Piano
Loch 97: Diskant Crescendo Forte
Loch 98: Diskant Crescendo Piano
Loch 99: Diskant Mezzoforte ein
Loch 100: Diskant Mezzoforte aus

Die meisten Aufnahmen wurden für das Welte rot System gemacht – für die später eingeführte Welte grün Skala wurden die Aufnahmen in das kleinere Rollenformat umgestanzt.

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Die Welte grün T98 Skala

Erst 1924 führte Welte das T98 Welte grün Reproduktionssystem ein. Es wurde ein Notengleitblock mit 98 Lochungen (eigentlich 102, wenn man die Notenbandführung mitzählt) verwendet – das Reproduktionssystem konnte alle 88 Töne spielen. Damit konnten auch Standard 88er Notenrollen auf dem Instrument gespielt werden. Welte bot das gesamte Repertoire der Notenrollen parallel in beiden Formaten an. Durch die späte Einführung und die bereits schwierigen Marktverhältnisse ab Mitte der 1920iger Jahre kann man davon ausgehen, dass bedeutend weniger Welte grün Systeme in den Markt kamen. Daran konnte auch die Einführung weiterer Varianten (Welte als Tretpiano) nichts verändern.

 

Die Welte grün T98 Skala hat folgende Belegung (von links nach rechts):

Loch „0“: Notenbandführung links (zwei übereinanderliegende Löcher)
Loch 1: Bass Sforzando Piano und Rücklauf (bei langer Perforation)
Loch 2: Bass Mezzoforte
Loch 3: Fortepedal (rechtes Pedal)
Loch 4: Bass Crescendo
Loch 5: Bass Sforzando Forte
Loch 6-93 88 Töne von A2 bis c4
Loch 94: Diskant Sforzando Forte
Loch 95: Diskant Crecendo
Loch 96: Pianopedal (linkes Pedal)
Loch 97: Diskant Mezzoforte
Loch 98: Diskant Sforzando Piano
Loch „99“: Notenbandführung rechts (zwei übereinanderliegende Löcher)

Welte hat die T98 Skala in allen Bauformen eingesetzt, d.h. es existieren Welte grün Kabinett, Vorsetzer, Klaviere und Flügel.

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Die Hupfeld DEA Skala

Die Hupfeld AG in Leipzig hat zusätzlich zu der sehr erfolgreichen Phonola das DEA (lat. "Göttin") Reproduktionssystem 1907 auf den Markt gebracht. Damit wollte die Hupfeld AG ein Produkt in Konkurrenz zum früher erschienenen Welte-Mignon positionieren. 1912 wirbt Hupfeld damit, den ersten Reproduktionsflügel auf den Markt gebracht zu haben - Welte hat die Reproduktionstechnik erst ab 1913 in Flügeln angeboten. Das Hupfeld DEA hatte die breiteste aller verwendeten Skalen mit 106 Löchern. Auch hier sind links bzw. rechts die Betonungssteuerungen für Bass- und Diskantbetonung.

 

Die Hupfeld DEA Skala hat folgende Belegung (von links nach rechts):

Loch 1-6: Bass Betonung von PP – FF
Loch 4-49: Töne A2 bis d1
Loch 50: Fortepedal ein
Loch 51: Ton e1
Loch 52: Fortepedal ab
Loch 53: Ton f1
Loch 54: kurz=Abschaltung, lang=Rücklauf
Loch 55: Ton fis1
Loch 56: kurz=Pianopedal ab, lang=Pianopedal ein
Loch 57: Ton g1
Loch 58: kurz=Wiederstand ein, lang=Widerstand aus
Loch 59-96: Töne gis1 bis a4
Loch 97: Crescendo Bass Betonung
Loch 98: unbelegt
Loch 99: unbelegt
Loch 100: Crescendo Diskant Betonung
Loch 101-106: Betonung Diskant PP bis FF

DEA Instrumente sind heute sehr selten anzutreffen – zumeist als Rönisch Klavier oder Flügel. Auf Grund der vergleichsweise geringen Verbreitung und sicher auch des unhandlich-großen Rollenformates sind heute nur noch sehr wenige Originalrollen erhalten.

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Die Hupfeld Triphonola Skala

Für das ab 1919 gebaute Reproduktionssystem Triphonola wurde eine Normskala verwendet, so dass auch die Standard 88er Notenrollen spielbar waren. Für die Reproduktion wurden aber auch hier weiterhin die Spezialrollen Animatic T oder Triphonola von Hupfeld benötigt. Die Besonderheit der Tri-Phonola liegt in den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Man kann das Instrument als normales Handspielklavier nutzen, als Kunstspielklavier im Pedalbetrieb, als Kunstspielklavier mit Elektroantrieb und als vollautomatisches Reproduktionsklavier mit elektrischem Antrieb.

 

Da die Triphonola erst nach 1919 angeboten wurde und in den 1920iger Jahren bereits immer weniger Pianolas in Deutschland produziert und verkauft wurden, existieren heute nur noch wenige dieser selten schönen Instrumente. Die Triphonola Skala hat 101 Löcher (große Spurhebel der Spurkontrolle mitgezählt) im Notengleitblock. Die 88 Lochungen in der Mitte steuern die 88 Töne an. Rechts und links sind die Löcher zur Steuerung der Betonung und des Selbstspielmechanismus.

Die Hupfeld Triphonola Skala hat folgende Belegung (von links nach rechts):

Loch 1: Spurkontrolle (Spurhebel)
Loch 2 und 3: (übereinander): Pianopedal (links Pedal)
Loch 4: Dynamiksteuerung mzf-p-ff Begleitung
Loch 5: Dynamiksteuerung mzf-p-ff Melodie
Loch 6: Fortepedal (Rechtes Pedal)
Loch 7: Bass Solodant (Melodiebetonung)
Loch 8 bis 95: 88 Töne A2 bis c5
Loch 96: Diskant Solodant (Melodiebetonung)
Loch 97 und 99: Crescendo
Loch 98: Dynamiksteuerung mzf-p-ff Melodie
Loch 100: Dynamiksteuerung mzf-p-ff Begleitung
Loch 101: Spurkontrolle (Spurhebel)

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Die Philipps DUCA Skala

Die Phillips AG in Frankfurt brachte ab 1908 das Reproduktionssystem DUCA auf den Markt. Wie wichtig die Alleinstellungsmerkmale im Leistungsumfang gegenüber dem Hauptkonkurrenten auch damals schon waren, zeigt, dass dieses DUCA Reproduktionssystem als dasjenige mit dem seinerzeit größten Tonumfang von 81 Tönen (Welte hatte damals 80) beworben wurde. Auch dieses System nutzte ein eigenes Rollenformat - das schmalste aller Reproduktionssysteme mit der Begründung, diese schmalen Notenrollen seien besser gegen Ausdehnung bei feuchter Witterung geschützt. Dies stellt sich heute, über 100 Jahre später, als durchaus richtig dar. Man versuchte ebenso wie Welte und Hupfeld große Namen im Repertoire der Notenrollen aufweisen zu können - dies gelang nicht in gleichem Umfang wie bei Welte und Hupfeld –jedoch hat auch DUCA vor allem bis 1913 ein sehr großes und ansprechendes Repertoire. Technisch ist das DUCA System jedoch sehr ausgereift und spielt sehr gut, wenn es originalgetreu restauriert und gut reguliert ist.

 

Die Philipps DUCA Skala hat folgende Belegung (von links nach rechts):

Loch 1: Akzent Bass
Loch 2: Mezzoforte Bass aus
Loch 3: Mezzoforte Bass ein
Loch 4: Decrescendo Bass langsam
Loch 5: Crescendo Bass langsam
Loch 6: Decrescendo Bass schnell
Loch 7: Crescendo Bass schnell
Loch 8: Pianopedal ab
Loch 9: Pianopedal halb ein
Loch 10: Motor aus
Loch 11 bis 91: 81 Töne C1 bis g4
Loch 92: Pianopedal ganz ein
Loch 93: Rücklauf
Loch 94: Fortepedal ein
Loch 95: Fortepedal ab
Loch 96: Crescendo Diskant schnell
Loch 97: Decrescendo Diskant schnell
Loch 98: Crescendo Diskant langsam
Loch 99: Crescendo Diskant schnell
Loch 100: Mezzoforte Diskant ein
Loch 101: Mezzoforte Diskant aus
Loch 102: Akzent Diskant“

Die DUCA Skala hat 102 fast gleichförmige Löcher im Notengleitblock - davon 81 für die Töne und 21 für die Steuerung, rechts 11 und links 10. Philipps DUCA Reproduktionssysteme finden sich vermehrt in Feurich Klavieren und Flügeln sowie in Arnold Klavieren - Letztere eine der Pianofortefabriken, die Philipps in den späten 1920iger Jahren aufgekauft hat.

Nachdem Hupfeld und Welte zunächst keine passenden Angebote für Gaststätten und Cafés hatten, bot Philipps dort seine Instrumente mit Geldeinwurf an. Erwähnenswert ist die Philipps Revolvermechanik, die schon 1911 in deren Instrumente eingebaut wurde - und sechs Notenrollen selbsttätig nacheinander abspielen konnte. Ebenso innovativ war der sogenannte Wassermotor für Stellplätze an denen kein oder kein zuverlässiger elektrischer Anschluss bestand - dieser Wassermotor konnte an eine vorhandene Wasserleitung angeschlossen werden und auch über Münzeinwurf aktiviert werden.

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Die Aeolian Duoart Skala

Die Aeolian Company New York hat für das ab 1913 vermarktete Reproduktionssystem Duoart eine 88er Normskala verwendet, ergänzt um Lochungen für die Betonungs- und Antriebssteuerung. Markant sind die jeweils vier Betonungslöcher im Notengleitblock für Bass bzw. Diskant, die links und rechts oberhalb der Lochreihe für die Töne sind - diese steuern die sogenannte "Expression Box", die Betonungseinheit. Wenn der Wahlhebel auf "Standard Full Scale Rolls" steht, werden die Löcher zur Betonungsteuerung abgeschaltet und die jeweils vier darunter liegenden Löcher für die vier tiefsten bzw. höchsten Töne zur vollen 88er Skala freigegeben.

 

Die Spurkontrolle wird bei Aeolian Duoart mittels der Spurführungshebel rechts und links kontrolliert.


Die Aeolian Duoart Skala hat folgende Belegung (von links nach rechts):

Obere Reihe:
Loch 1 bis 4: Betonungssteuerung Begleitung
Loch 5 bis 8: Betonungssteuerung Melodie
Untere Reihe:
Loch 1: Rücklauf
Loch 2: Fortepedal (Rechtes Pedal)
Loch 3: Ansteuerung Bass Melodie
Loch 4 bis 90: 88 Töne von A2 bis c5
Loch 91: Ansteuerung Diskant Melodie
Loch 92: Motor
Loch 93: Pianopedal (Linkes Pedal)

Anders als Hupfeld oder Welte hat Aeolian bei dem DuoArt die Betonung in 16 definierten Stufen realisiert, also nicht stufenlos. Gleichzeitig kombiniert Aeolian dies aber geschickt mit dem Pianopedal, so dass auch hier -ein sehr gut restauriertes und eingestelltes Instrument vorausgesetzt- ausgezeichnete Klang- und Betonungsqualität in der Reproduktion erreicht wird.

Es gelang der Aeolian Company New York für den amerikanischen Raum einen Exklusivvertrag mit Steinway & Sons zu vereinbaren, so dass mind. 600 Steinway Instrumente pro Jahr mit dem DuoArt System ausgestattet wurden. Interessant ist das sehr umfangreiche Notenrollenrepertoire an DuoArt Notenrollen, die sehr viele klassische Titel ebenso beinhaltet, wie die beliebte Unterhaltungsmusik in den USA.
In Deutschland konnte sich das DuoArt System gegen die mächtige Konkurrenz von Hupfeld und Welte kaum durchsetzen. In Amerika und England jedoch dafür umso mehr.

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Die Ampico Skala

Das Ampico Reproduktionssystem der American Piano Company war -wie das Aeolian DuoArt- vor allem im Heimatmarkt USA sehr erfolgreich und ist auch heute noch nur selten in Europa anzutreffen - obwohl in der späten Phase auch noch Europäische Pianofortehersteller wie Hopkinson, Grotrian-Steinweg und Bösendorfer dieses System eingesetzt haben.

 

Auffällig ist die Anordnung des Notengleitblockes und der Steuerungselemente als Schublade unterhalb der Klaviatur. Damit wurden die Flügel nicht künstlich durch den Reproduktionsmechanismus verlängert, so wie es bei Hupfeld und Welte geschah, da hier zwischen Stimmstock und Tastatur noch der Obereinbaumechanismus Platz finden musste. Ein 1,85m Grotrian-Steinweg Flügel mit Ampico System ist also ein echter 1,85m Flügel - während zum Beispiel ein 1,80m Niendorf-Welte Flügel nur einen 1,60m Flügel beinhaltet.

Ab 1913 gab es den Vorläufer (Stoddard-Ampico) - ab 1920 dann das ausgereifte Ampico A. Die Weiterentwicklung -das Ampico B- war ab 1929 auf dem Markt. Interessant ist das Ampico System im Vergleich zu anderen Reproduktionssystemen vor allem auf Grund seines zusätzlich besonderen Repertoires. Es gelang der American Piano Company (enstanden aus dem Zusammenschluss führender Hersteller/Marken (Knabe, Chickering, Fischer, Haines, Marshall&Wendell und später Mason & Hamlin) den gegenüber Reproduktionsinstrumenten sehr skeptischen S. Rachmaninoff exklusiv für das Ampico System unter Vertrag zu nehmen. Dies erzeugte eine große Aufmerksamkeit und zog sowohl Käufer für das Ampico an - als auch weitere namhafte Pianisten. Neben den original von S. Rachmaninoff eingespielten Rollen gibt es das Repertoire der sogenannten Popular Music, d.h. der amerikanischen Musik aus den 1920iger-1930iger Jahren.

Die Skala des Ampico A Systems hat 100 Löcher im Notengleitblock inkl. der zwei Spurhebel für die Spurkontrolle.

Die Ampico A Skala hat folgende Belegung (von links nach rechts):

Loch 1: Spurkontrolle links
Loch 2: Langsames Crescendo Bass
Loch 3: Betonung 1 Bass
Loch 4: Fortepedal (Rechtes Pedal)
Loch 5: Betonung 2 Bass
Loch 6: Schnelles Crescendo Bass
Loch 7: Betonung 3 Bass
Loch 8: Betonung Bass ab
Loch 9 bis 91: 83 Töne von H2 bis a4
Loch 92: Langsames Crescendo Diskant
Loch 93: Betonung 1 Diskant
Loch 94: Pianopedal (Linkes Pedal)
Loch 95: Betonung 2 Diskant
Loch 96: Schnelles Crescendo Diskant
Loch 97: Betonung 3 Diskant
Loch 98: Betonung Diskant ab
Loch 99: Motor
Loch 100: Spurkontrolle rechts

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Die kombinierten Skalas

In der Übergangszeit wurden viele kombinierte Systeme gebaut, die dann durch Hebelumschaltung oder Austausch des Notengleitblockes 65er und 88er oder 73er und 88er etc. Skalen hatten und damit zwei Rollentypen spielen konnten. So konnten die bei vielen Besitzern bereits vorhandenen Notenrollen der früheren Formate weiter genutzt werden - zudem waren einige Musiktitel auf Rollen nur in bestimmten Formaten erhältlich.

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