Welte-Bockisch-Popper-Feurich...

Wie so oft bei großen Entwicklungen waren es mehrere geniale Personen, die Welte-Mignon zu diesem Welterfolg gemacht haben. Bockisch-Welte-Popper-Feurich (Foto aus der Zeitschrift für Instrumentenbau No 25, März 1905) sind nach unserer aktuellen Einschätzung die vier Persönlichkeiten im engeren Kreis, die zusammen mit zahlreichen Beteiligten und Zuarbeitern für diesen Erfolg stehen.

Bis heute konnte noch nicht genau geklärt werden, wie genau die Erfindung, die Produktreife, die Markteinführung, die Vermarktung, der Service, der wirtschaftliche Welterfolg und der Niedergang, das Ende des Welte-Mignon in Zusammenhang mit M. Welte & Söhne erfolgte. Es gibt natürlich über die Jahrzehnte ausgezeichnete Arbeiten zu Welte-Mignon (z.B. von Peter Hagmann) und Literatur (z.B. vom Augustiner Museum in Freiburg) und Kataloge (z.B. der Welte-Mignon Notenrollenkatalog von Hr. Dangel/Hr. Schmitz) und Internetseiten (z.B. pianola.org) - jedoch sind nach unserer Wahrnehmung noch nicht ganzheitlich genug alle Puzzlesteine zusammengetragen worden, um die Geschichte vollständiger zu erzählen. Dies liegt nach unserer Einschätzug an mehreren Faktoren von denen einige hier benannt werden:

> mehrere Firmen und Personen waren beteiligt, deren jeweiligen Aufzeichnungen und Firmendokumente getrennt voneinander verwaltet und weiter gegeben wurden

> der dramatische Zusammenbruch der Branche und externe Einflüsse (Wirtschaftskrise, Kriege) erlaubten den Firmen kein Fortbestehen und damit keine dokumentierte Firmenhistorie

> die Weltkriege haben unendlich viel Zeitzeugen, Instrumente, Einrichtungen und Dokumente vernichtet und verstreut

> Welte-Mignon war nur eine bedeutende Erfindung nach und vor weiteren großen Erfindungen (Orgeln, Orchestrions), die z.T. den Firmen mehr bedeuteten

> das erneute Interesse an WelteMignon erwachte zu spät, um noch lebende Zeitzeugen und zugängliche Unterlagen systematisch zu befragen

> bisherige Initiativen, Fakten zur Geschichte zusammenzutragen, waren außerordentlich und anerkennenswert - jedoch überwiegend Einzelaktionen und nicht gesamtheitlich

> manche Sammler und Händler haben den Mythos "Welte-Mignon" vielleicht nie ganz lüften wollen, um den Wert der Sammlung / der Instrumente höher zu halten

> das Hauptinteresse vieler Sammler und Besitzer war eher der technischen Faszination gewidmet - und nicht der musikalischen Faszination / der Interpretationsforschung

> eine konzertierte und wissentschaftlich fundierte Annäherung an dieses Thema, hat bis dato nicht stattgefunden- auch da Museen nicht oder nur bedingt kooperieren

> das öffentliche Interesse an diesem Thema ist nur eingeschränkt vorhanden und heutige Klavierhersteller sehen keinen Mehrwert in diesem Teil der Firmengeschichte

> ohne die heutigen Möglichkeiten des Internet, der Vernetzung, der Digitalisierung, des weltweiten Austausches war Recherche und Zusammenarbeit sehr schwierig

Es ist unser Anliegen, mit unseren Aktivitäten dazu beizutragen, dass in den kommenden Monaten und Jahren diese Faktoren überwunden werden, sich engagierte Wissenträger zusammenfinden und die abenteuerliche, geniale, bewegte und v.a. musikalisch einmalige Geschichte vollständiger verstanden und erzählt wird.

Auch für die weiteren deutschen Reproduktionssysteme wie Philipps DUCA und Hupfeld DEA/Tri-Phonola werden wir sukzessive mehr publizieren und initiieren.



 

Popper's Artist = Mignon...

Dieser Artikel aus der Zeitschrift für Instrumentenbau (September 1904) beschreibt die erste öffentliche Vorstellung des Popper "Artist" auf der Ostervormesse in Leipzig. Als Urheber wird M. Welte & Söhne (Freiburg) benannt. Zweifelsohne das Mignon, noch unter dem von Popper eingetragenen Warenzeichen "Artist". Interessanterweise hat Popper sich am 9.4.1904 auch das Warenzeichen "Mignon" eintragen lassen. Auch das Warenzeichen "Welte-Mignon" hat Popper eintragen lassen - am 28.4.1906.

Allein die Diskussion um die Namensgebung wird ein Themenfeld sein, dass genauer aufbereitet werden muss, da hier nach unserer Kenntnis heftigste Auseinandersetzungen zwischen Welte, Bockisch und Popper stattgefunden haben. Die Namenswechsel von "Artist" über "Mignon" zu "Welte-Mignon" deuten darauf hin, dass Welte sich letztlich durchgesetzt hat - und erstaunlicherweise den mutmaßlichen Haupterfinder (Karl Bockisch) namentlich nicht vorkommen lässt.

Die Bedeutung von Karl Bockisch wird in diesem Artikel deutlich hervorgehoben: "Dieses Piano-Orchestrion ebenso wie der Kunstspielapparat "Artist" sind Schöpfungen des Karl Bockisch, ..., der als Innovator..."




 

Das Weltwunder Welte-Mignon...

Dieser Artikel aus der Zeitschrift für Instrumentenbau (März 1905) beschreibt die erste öffentliche Vorstellung des Mignon auf der Ostervormesse in Leipzig. Es lässt sich heute nur noch bedingt vorstellen, wie atemberaubend ein solches Instrument, das selbsttätig betont und nahezu "wie von menschlicher Geisterhand" natürlich spielen konnte, auf die Messebesucher gewirkt haben muss.

Bevor jedoch die Erstvorstellung erfolgen konnte, mussten über viele Monate zahlreiche Vorleistungen und sicher auch gelungene und gescheiterte Versuche stattfinden, um die Präsentation auf der Ostervormesse erfolgreich durchführen zu können.




 

Hugo Popper...eine Schlüsselperson...

Eine der wichtigen Vorbereitungen waren die Diskussionen um die Marktpositionierung und das Preismodell des Welte-Mignon. Hierzu sind noch weitere Recherchen erforderlich.

Ein wichtiger Hinweis findet sich in einem, später noch genauer anzuschauenden Brief von Hugo Popper an seinen Prokuristen Hermann Möhle (Foto: Popper Katalog) aus 1906: "...meine Meinung war von jeher, Mignon entweder als Wunderding hinzustellen und dafür M 10.000,00 zu verlangen, oder aber als kuranten Artikel, und ist solcher dann mit M 3.000,00 schon sehr hoch bezahlt..." (Quelle: Kopie des Briefes, W. Baus, aus dem Besitz von Hanns Popper). Zu dem Zeitpunkt war der Verkaufspreis für das angesprochene Feurich Welte Kabinett M 3.650,00.




 

Kalkulationsgrundlage_Welte-Mignon

Ein weiteres interessantes Detail zu der möglichen Kalkulationsgrundlage des Welte-Mignon (gemeint ist hier das Kabinett) findet sich ebenfalls in dem Briefwechsel zwischen Hugo Popper und Hermann Möhle aus Nov 1906 (Quelle: Kopie des Briefes, W. Baus, aus dem Besitz von Hanns Popper). Wiederum geht es Hugo Popper um vermeintlich überzogene Preisstellungen seitens M. Welte & Söhne (Freiburg) für das Welte-Mignon.