Da nach der Blütezeit der Pianola und vor allem während der Kriege viele Instrumente beschädigt waren oder nicht mehr ordentlich funktionierten, wurde bei den meisten Pianolas der Selbstspielmechanismus entfernt. Im ersten Schritt sollte also überprüft werden, ob tatsächlich der komplette Selbstspielmechanismus noch vorhanden ist. Nicht selten wurde auf die Schnelle nur der Obereinbau entfernt – oder auch nur der Untereinbau.

Obereinbau fehlt Untereinbau fehlt

Da es fast ausgeschlossen ist, dafür Ersatz zu finden und eine Nachfertigung sehr hohe Kosten verursacht, ist vom Kauf solcher Pianolas abzuraten.

Zur Sicherheit gleich an dieser Stelle der Hinweis auf Quecksilber in alten Kunstspiel- und Reproduktionsinstrumenten. Damals wurden die elektrischen Schalter mit Quecksilberwännchen und einem absenkbaren Metallbügel oder –dorn realisiert. Man wusste seinerzeit noch nicht um die Gefährlichkeit der Quecksilberdämpfe, die schon bei Zimmertemperatur in spürbaren Mengen auftreten. In jedem Fall ist zu überprüfen, ob das Pianola über offene Quecksilberschalter verfügt (es gibt auch die geschlossenen Kipp-Quecksilberschalter) und ob darin noch Quecksilber vorhanden ist. Dies muss entfernt werden – oder der Behälter gesichert verschlossen. Insbesondere vor einem Transport des Instrumentes und einem möglichen Kippen (oder auf die Seite legen bei Flügel) ist dies durchzuführen. Diese Arbeiten sollte unbedingt ein Fachmann übernehmen.

Bei der Einschätzung des Gesamtzustandes der Pianola lohnt es sich das Instrument zunächst von außen als auch von innen insgesamt anzuschauen. Hinweise auf zu hohe Feuchtigkeit in der Aufstellungsgeschichte des Instrumentes

auffälliger Rost auf den Stimmnägeln, den Saiten und anderen Metallteilen

Stockflecken im Instrument und / oder an den Außenseiten

Wasserflecken im Bereich der Stimmnägel, der Mechanik etc.

sind leicht zu erkennen – und lassen darauf schließen, dass diese Feuchtigkeit auch in den Selbstspielmechanismus eingezogen sein kann, so dass eine komplette und aufwändige Restauration erforderlich wird.

Natürlich sind auch die für das Klavier gefährlichen Schädlinge (Motte, Holzwurm, Nagetieren) für ein Pianola gefährlich. Die Schäden an Mechanik, luftführenden Wegen etc. sind in der Regel groß und nur mit erheblichem Aufwand zu beheben.

Bei genauerer Betrachtung lässt sich gut erkennen, ob die Schläuche und Bälge bereits Defekte aufweisen

Auch wenn keine Risse und Löchern in den Bälgen zu erkennen sind, oder keine Fehlstellen in den Schlauchverbindungen, können signifikante Schwachstellen vorhanden sein, da nur wenige Bereiche des Selbstspielmechanismus einsehbar sind. Sie können vorsichtig den Zustand der Bälge und Schläuche überprüfen, indem Sie mir den Fingern das Material testen – sind die Schläuche hart und brüchig, ist das Gummituch trocken und dünn, ist das Leder trocken und unelastisch, können Sie sicher davon ausgehen, dass alle diese sichtbaren und nicht sichtbaren Teile ausgetauscht werden müssen.

Bei Kunstspiel- und Reproduktionsklavieren mit alten Motoren ist die gesamte elektrische Anlage erst nach einer Erneuerung sicher zu betreiben. Schon bei der Sichtprüfung werden Sie erkennen, dass die stoffummantelten Kabel, der Stecker und einige Verbindungen nicht mehr sicher sind. Bitte nie den Stecker bei einem nicht renovierten Pianola einstecken. Neben der Gefahr des Kurzschlusses oder Kabelbrands ist zu bedenken, dass damals 250V an tlw. offenen Schaltern verlegt wurde und damit hohe Lebensgefahr beim Eingriff in das offene Instrument besteht!

Oft ist ein Funktionstest nach der Sichtprüfung dann gar nicht mehr erforderlich. Bei einem gut erhaltenen Tretpianola kann eine Rolle eingelegt - und mittels Pedalbetrieb versucht werden, den Selbstspielmechanismus spielen zu lassen. Das wird in den meisten Fällen jedoch nicht gelingen. Falls sich der Windmotor bewegt, funktioniert zumindest dieser Teil noch. Ein einfacher Test der Dichtigkeit des Systems bei einem pedalbetriebenen Pianola kann so vorgenommen werden: Kleben Sie alle Löcher am Notengleitblock des Pianolas mit Kreppband ab und treten Sie die Pedale. Bei geschlossenem System müsste sich ein starker Widerstand an den Pedalen einstellen. Lassen sich die Pedale weiter problemlos durchtreten und sind Zischgeräusche zu vernehmen, ist die Undichtigkeit der Saugluftversorgung oder/und des Untereinbaus nachgewiesen. Die Spielbälge im Obereinbau sind dann zumeist ebenso undicht. Dies lässt sich nur durch einen Fachmann prüfen.

Bei langen Standzeiten und deutlicher Verschmutzung oder auch zu hoher Feuchtigkeit am Aufstellungsort des Pianola sind zumeist auch die Ventile und Membrane in den Windladen funktionsunfähig oder defekt und müssen gereinigt oder ersetzt werden.